Einleitung

Der 11. November ist in vielen Kindergärten und Kitas ein ganz besonderes Highlight – das Martinsfest. Unter dem Motto „St. Martin in der Kita: Bräuche, Lieder und Tischsprüche“ möchten wir Erzieher*innen, Eltern und Kitaleiter*innen einen umfassenden Leitfaden an die Hand geben, wie das Fest kindgerecht, sinnvoll und vor allem fröhlich gestaltet werden kann. St. Martin, der mit seinem roten Mantel und dem geteilten Roggenbrot ein Symbol für Nächstenliebe und Teilen ist, begeistert Kinder jeden Alters. Durch passende Bräuche, kindgerechte Lieder und einladende Tischsprüche lässt sich ein tiefes Gemeinschaftsgefühl erzeugen und zugleich das Bewusstsein für Werte wie Teilen, Hilfsbereitschaft und Toleranz stärken. Im Folgenden erfahren Sie, welche Traditionen sich besonders gut für die Kita eignen, wie Sie die musikalische Begleitung auswählen und welche Tischsprüche das Fest abrunden.

Aktualisiert für die Saison 2026: Zum Martinsfest im November eignen sich kurze, gemeinschaftliche Reime am besten – zum Beispiel aus der Sammlung kurze Tischsprüche oder der Übersicht Tischsprüche Kita. Für ruhige Danke-Momente nach dem Umzug passen Verse auf Danke-Tischsprüche für Kinder. So bleibt das Martinsfest warm, klar und kindgerecht – ohne lange Vorbereitung. Fertige Laternen- und Martins-Sprüche zum Mitsprechen findest du ergänzend im Blog Tischsprüche zum Laternenfest und St. Martin.

1. Die historischen Grundlagen – warum St. Martin?

1.1. Der Heilige und seine Geschichte

St. Martin von Tours (ca. 350–397 n. Chr.) war ein römischer Soldat, der sich durch ein schlichtes Akt des Teilens berühmt machte: Er schnitt seinem Mitkameraden den Mantel mit einem Schwert in zwei Hälften, um dem frierenden Bettler zu helfen. Diese Episode steht für das Prinzip der Nächstenliebe und gilt seit Jahrhunderten als Vorbild für christliche Nächstenfürsorge. Für Kinder ist die Geschichte besonders greifbar, weil sie sich leicht in ein Bild (roter Mantel, geteilter Brotlaib) übersetzen lässt.

1.2. Der Übertritt vom Kirchenfest zum Kita-Fest

Ursprünglich ein kirchlicher Gedenktag, hat das Martinsfest in den letzten Jahrzehnten den Weg in die frühkindliche Pädagogik gefunden. Der Grund liegt in der universellen Botschaft des Teilens, die unabhängig von religiösem Hintergrund in jeder Kita wertvoll ist. Die Integration von St. Martin in den Kita‑Alltag ermöglicht es, ethische Werte spielerisch zu vermitteln und gleichzeitig kulturelle Traditionen zu pflegen.

2. Typische Bräuche in der Kita

2.1. Der Mantel‑Spaziergang

Ein klassischer Brauch ist das „Mantel‑Spazieren“. Ein roter oder orangefarbener Stoffmantel wird an das Ende der Gruppe weitergereicht. Jedes Kind darf den Mantel für ein paar Minuten halten, darüber sprechen, was es mit dem Mantel verbindet, und anschließend den Mantel weitergeben. So wird das Teilen praktisch erlebt und die Kinder können ihre Gedanken dazu äußern.

2.2. Das Martinsfeuer (alternativ: Laternenlauf)

In vielen Kindergärten wird ein kleines, sicheres Feuer (z. B. ein Grill oder ein Feuerzeug‑Feuerzeug) angezündet, um den „Licht‑Moment“ zu symbolisieren. Für jüngere Kinder empfiehlt sich jedoch ein Laternenlauf: Jede Gruppe bastelt ihre eigene Laterne, die anschließend im Freien (oder im Gruppenraum mit gedimmtem Licht) an einer Wand oder einem Tisch aufgehängt wird. Das Licht steht für Wärme und Gemeinschaft.

2.3. Der Martinsgottesdienst oder Kindergottesdienst

Ein kurzer, kindgerechter Gottesdienst kann das Fest abrunden. Dabei wird die Geschichte in einfachen Worten erzählt, ein kurzer Segen gesprochen und ein gemeinsamer Spruch für das Teilen formuliert. Wichtig ist, dass die Dauer nicht länger als 10 Minuten ist, damit die Aufmerksamkeit der Kinder erhalten bleibt.

3. Musikalische Begleitung – Lieder für Kinder

3.1. Klassiker, die jedes Kind kennt

  • „Wir ziehen nach Stuttgart“ – ein fröhlicher Marschlied, das das Märchen von St. Martin aufgreift.
  • „St. Martin, der Mantel, der teilt“ – ein einfaches Kinderlied, das die zentrale Botschaft des Teilens verdeutlicht.
  • „Wenn ich ein Mantel wär‘“ – ein Mitmachlied, bei dem jedes Kind ein Wort ergänzt.

3.2. Moderne Kinderlieder

Für jüngere Gruppen (3‑4 Jahre) eignen sich kurze, repetitive Lieder wie „Der Mantel geht weiter“ oder „Wir teilen unser Brot“. Sie lassen sich leicht mit Bewegungen verbinden: Kinder können die Hände ausstrecken, wenn das Wort „teilen“ fällt, und so die Botschaft kinästhetisch verankern.

3.3. Selbstgemachte Musikeinlagen

Einige Erzieher*innen integrieren selbstgemachte Instrumente – zum Beispiel Rasseln aus Wasserflaschen, die mit Reis gefüllt sind. Während des Gesangs wird so eine kleine Klanglandschaft erzeugt, die das Fest lebendiger macht und die Kinder aktiv einbindet.

4. Tischsprüche – wertvolle Worte für das Festmahl

4.1. Was ist ein Tischspruch?

Ein Tischspruch ist ein kurzer, oft gereimter Satz, der vor dem Essen gesagt wird. Er fördert die Aufmerksamkeit, die Dankbarkeit und das Gemeinschaftsgefühl. In der Kita wird er meist von den Kindern selbst vorgetragen – das stärkt ihr Selbstvertrauen und ihre Sprachkompetenz.

4.2. Beispiele für kindgerechte Tischsprüche

  • „Wir teilen unser Brot, das ist unser schönster Trost.“
  • „Mit St. Martin denken wir, das Teilen macht uns froh.“
  • „Ein roter Mantel, ein helles Licht – wir danken für das, was uns verbindet.“
  • „Kleine Hände geben gern, das ist unser Martinsstern.“

4.3. Wie man die Kinder einbezieht

Vor dem Fest können die Kinder in Kleingruppen einen eigenen Tischspruch erarbeiten. Sie dürfen Wörter auswählen, Reime bilden und den Spruch schließlich in der Runde präsentieren. Das stärkt das kreative Denken und das Wir‑Gefühl.

5. Praktische Tipps für die Vorbereitung (Checkliste)

  • Frühzeitige Planung: Beginnen Sie mindestens vier Wochen vor dem Fest mit der Themenvorbereitung, damit Kinder die Geschichte mehrmals hören können.
  • Materialien sammeln: Roter Stoff für den Mantel, Bastelpapier für Laternen, Kleber, Scheren, kleine Töpfe für das Martinsfeuer.
  • Eltern einbinden: Laden Sie Eltern zu einem kurzen Gespräch ein, damit sie über die Inhalte informiert sind und ggf. selbst kleine Beiträge (z. B. ein selbst gebackenes Brot) beisteuern können.
  • Raumgestaltung: Dekorieren Sie den Gruppenraum mit roten und goldenen Bändern, Laternen und Bildkarten von St. Martin.
  • Zeitrahmen beachten: Planen Sie das Fest auf 60–90 Minuten, um die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder nicht zu überschreiten.
  • Sicherheit zuerst: Bei Feuer‑Aktivitäten immer Aufsichtspersonen einsetzen und Flammen nur im geschützten Bereich zulassen.
  • Nachbesprechung: Lassen Sie die Kinder im Anschluss erzählen, was ihnen am besten gefallen hat – das stärkt das Reflexionsvermögen.

6. Integration in den pädagogischen Alltag

6.1. Wertebildung durch Wiederholung

St. Martin bietet einen idealen Rahmen, um über das ganze Jahr hinweg das Thema „Teilen“ immer wieder aufzugreifen. Beispielsweise kann im Herbst ein weiteres Teilen‑Projekt (z. B. ein gemeinsamer Obstsalat) initiiert werden, das an das Martinsfest anknüpft.

6.2. Sprachförderung und Bildsprache

Durch das Erzählen der Geschichte, das Mitsingen von Liedern und das Vortragen von Tischsprüchen werden sowohl der Wortschatz als auch das Hörverständnis gefördert. Bildkarten von St. Martin, dem Mantel und dem geteilten Brot unterstützen das visuelle Lernen.

6.3. Inklusion und kulturelle Offenheit

Auch in multikulturellen Kitas kann das Martinsfest einbezogen werden, indem man die Grundwerte betont (Teilen, Hilfe, Freundschaft) und die Kinder dazu anregt, eigene Traditionen aus ihren Familien einzubringen. So entsteht ein respektvolles Miteinander.

Fazit

St. Martin in der Kita ist weit mehr als ein religiöser Feiertag – er ist ein pädagogisch wertvolles Fest, das Kinder spielerisch an die Werte des Teilens, der Nächstenliebe und des Gemeinschaftsgefühls heranführt. Durch ausgewählte Bräuche wie den Mantel‑Spaziergang, das Martinsfeuer oder den Laternenlauf, kindgerechte Lieder und einladende Tischsprüche entsteht ein rundum gelungenes Erlebnis. Praktische Tipps und eine klare Checkliste erleichtern die Vorbereitung, während die Integration der Themen in den Alltag die nachhaltige Wertebildung unterstützt. Mit dieser umfassenden Struktur können Erzieher*innen, Eltern und Kitaleiter*innen das Martinsfest zu einem unvergesslichen Highlight für jedes Kind machen – ein Fest, das nicht nur den 11. November, sondern das ganze Jahr über nachhallt.

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